Wie bereits 2004 sucht die ABB Schweiz AG auch dieses Jahr den direkten Kontakt zur Bevölkerung. In den grossen Schweizer Bahnhöfen will das Unternehmen mit einer Art Roadshow veranschau-lichen, welche Bedeutung ABB-Produkte für die Mobilität jedes Einzelnen haben. Das Herzstück der Installation ist ein technisch und emotional faszinierendes Hightech-Ballett.
Die ABB Schweiz AG spielt in vielen Bereichen der Mobilität eine wichtige Rolle. Sie ist für Netzstabilität, Stormverfügbarkeit, Energieeinsparungen und Umweltverträglichkeit im Bahnverkehr, im Autobau und in der Schifffahrt verantwortlich. Mit einer Ausstellung in den grossen Schweizer Bahnhöfen will das Unternehmen unter dem Motto «Mobilität – ABB steckt dahinter» seine Bedeutung in diesen Mobili-tätswelten für die Bevölkerung erlebbar machen und ihnen den persönlichen Dialog mit ABB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern ermöglichen.
Gondeln, Bahnwagen oder Autos?
Das Herzstück des Ausstellungsstandes ist eine schon von weitem sichtbare Installation: das Mobilitäts-Ballett. An einer architek-tonischen Struktur aus Aluminium-trägern mit einer nüchtern-technischen Anmutung hängen rote Kunststoffkuben, welche sich in verschiedenen Höhen und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegen. Es bleibt der Phantasie der Besucherinnen und Besucher überlassen, welche Art von Verkehrsmittel sie in den Kuben erkennen; für die einen werden es Gondeln, für die andern Bahnwagen oder Autos sein. Viermal pro Stunde tanzen die dreissig roten Kuben ihr eigentliches Ballett. Dann beginnen sie zu leuchten und bewegen sich nicht weiterhin nach einem Zufallsprinzip, sondern ordnen sich zu geo-metrischen Figuren – zum Beispiel zu einem Kubus, einer Kugel oder einer Diagonalen – und synchronisieren ihre Geschwindigkeit mit der Musik. Dieses mit visuellen und akustischen Mitteln in Szene gesetzte Mobilitätsballett wird zu einem Sinnbild für die Gefühle, welche die Zuschauerinnen und Zuschauer mit Mobilität oder Reise-erleb-nissen verbinden.
Spezialisten am Werk
Das Konzept des Standes wurde von Bellprat Associates AG entworfen. Die auf Konzeption und Design von kommerziellen Ausstellungen spezialisierte Agentur beauftragte das Unternehmen Nexintec AG mit der technischen Entwicklung der Installation sowie der Software für die Bewegungsabläufe und deren Synchronisation mit Musik und Licht.
Tragstruktur aus dreissig Aluminiumschienen
Die Tragstruktur der Installation besteht aus dreissig Aluminiumschienen. Zehn Schienen sind senkrecht angeordnet, zwanzig waagrecht. Die orthogonale Struktur erweckt aus der Ferne den Eindruck eines dreidimensionalen Gitters, tatsächlich berühren sich die einzelnen Aluminiumträger aber nicht. An jedem Träger ist ein Kubus befestigt, eine so genannte Mobile Lighting Unit (MLU). Bei den horizontalen Schienen fahren die MLUs auf der gesamten Schienenlänge von zehn Metern, bei den vertikalen Schienen hingegen werden nur sieben der zehn Meter als Fahrbahn genutzt; die untersten drei Meter dienen ausschliesslich als Tragstruktur.
Die Aluminiumträger bestehen aus zusammensetzbaren Schieneneinheiten von fünf Metern Länge. Dies ermöglicht einen schnellen modularen Aufbau der gesamten Installation in nur acht Stunden und erlaubt ausserdem, die Tragstruktur an die architektonischen Gegeben-heiten eines Ausstellungsorts anzupassen, wie zum Beispiel in Genf, wo eine der horizontalen Schienen aufgrund der Ausmasse der Bahnhofshalle nur fünf Meter lang sein darf.
Gehäuse in ABB-Rot
Die Gehäuse der MLUs bestehen aus leichtem Polyethylenterephthalat (Pet) in ABB-Rot (Pantone 032). Sie haben einen quadratischen Grundriss von 40 cm, sind 60 cm hoch und setzen sich aus zwei 0,25 mm dicken Halbschalen zusammen, welche mittels Tiefziehen geformt werden. Im Innern dient eine leichte Aluminiumkonstruktion dazu, die verschiedenen technischen Komponenten zur Datenübertragung, den Motor und die Beleuchtungseinrichtung zu befestigen.
Positionsgeregelter Gleich-stromantrieb
Im Mobilitätsballett bewegen sich die leuchtenden MLUs an den Aluminiumträgern. Zu diesem Zweck sind die Aluminiumträger mit einer Stromschiene für Gleichspannungsstrom von 24 bis 30 Volt und einer Stromstärke von zehn Ampere sowie einem Zahnriemen aus Kunststoff ausgestattet. Das Fahrwerk der MLUs weist zwei im Abstand von 40 cm befestigte Radsätze mit je drei Rädern auf, die sich radial, in einem Winkel von 120 Grad zu einander, auf dem Führungsrohr abstützen. Die MLUs sind mit einem positionsgeregelten Gleichstromantrieb ausgestattet. Der Motor ist über ein Getriebe mit dem Pulley verbunden, welches die Antriebskräfte formschlüssig auf den Zahnriemen überträgt und zusammen mit der gegenüberliegenden Stützrolle Rollbewegungen verhindert. Mit einem Encoder, der direkt mit der Motorachse verbunden ist, wird die Position der MLUs kontinuierlich und mit hoher Genauigkeit bestimmt.
Leitrechner koordiniert Bewegungsabläufe
Am Leitrechner können die Bewegungsabläufe und die Lichtstärke der MLUs mit der Musik koordiniert und gespeichert werden. Die Software und das grafische User Interface sind so gestaltet, dass die Anwendung ohne spezielle Programmierkenntnisse möglich ist. Der Datenstrom mit den Steuerinformationen wird an die MLUs weitergeleitet. Vom Leitrechner zu den Enden der Aluminiumträger findet die Datenübertragung über herkömmliche Kabelleitungen statt und von dort mittels Infrarot zu den Master Controllern in den MLUs, welche die erhaltenen Steuerparameter umsetzen.
Gewicht und Beleuchtung als Herausforderung
Die Bewegung der leuchtenden Kuben soll die Emotionalität der Musik aufnehmen und visuell umsetzen. Dazu müssen sich die MLUs dynamisch bewegen können. Das heisst, sie sollen langsam oder abrupt beschleunigen und verzögern können. Um diese Fahreigenschaften erfolgreich umzusetzen, stand bei der Entwicklung der MLUs eine Anforderung im Vordergrund: das Gewicht. Mit drei Kilogramm Masse pro MLU gelang es, eine sehr leichte Konstruktion zu schaffen, was eine Beschleunigung von mindestens 3 m/s2 in alle Bewegungsrichtungen und eine maximale Fahrgeschwindigkeit von 3 m/s ermöglicht.
Auch die innere Ausleuchtung der MLUs stellte eine Herausforderung dar. Die Lichtquellen sollten helles Licht abgeben, ohne aber zu viel Strom zu verbrauchen. Ausserdem mussten sie wiederum von sehr geringem Gewicht sein, um die Fahrdynamik der MLUs nicht einzuschränken. Schliesslich wurde eine Fluoreszenz-Beleuchtung gewählt, wie sie auch bei Monitorbeleuchtungen eingesetzt wird. Pro MLU bringen zwanzig Kaltkathoden-Fluoreszenzröhren mit einer Länge von 55 cm und einem Durchmesser von nur 3 mm den roten Kunststoffkörper zum Leuchten.
Sicherheit des Publikums berücksichtig
Da die Installation in öffentlich zugänglichen Räumen gezeigt wird, musste bei der Entwicklung auch die Sicherheit der Zuschauerinnen und Zuschauer berücksichtigt werden. Neben einer Reihe von Systemüberwachungen und Schutzfunktonen, die mittels Software realisiert werden, verhindert unter anderem eine Vorrichtung an den Schienenenden, dass die MLUs die Trägerrohre im Falle von Steuerungsfehlern verlassen können. Bei den zehn MLUs, die sich vertikal bewegen, musste zudem vorgesorgt werden, dass sie, zum Beispiel bei einem Netzspannungsausfall, nicht abstürzen. Detektiert die Steuerung einen Fehlerzustand oder bricht die Spannung zusammen, werden die Motoren der MLUs automatisch vom speisenden Vier-Quadraten-Steller getrennt und auf einen niederohmigen Brems-widerstand geschaltet. Dadurch wird die Bewegung der MLUs rasch auf eine ungefährlich niedrige Geschwindigkeit verzögert. Wie so oft im täglichen Leben trägt die ABB Schweiz AG auch hier dazu Sorge, dass die Zuschauer ein Mobilitätsballett in höchster Qualität und ohne Gefahr geniessen können.