ABB-Antriebssystem macht Schweizer Züge zu energiesparenden „Eisbrechern“

2015-01-27 - Seit zwei Wochen trägt ein Allegra-Triebzug der Rhätischen Bahn die Farben von ABB. So wird eine 100-jährige Partnerschaft unterstrichen, die Schweizer Alpenpässe in allen Wetterlagen für den Bahnverkehr freihält.

Dieser Allegra-Triebzug der Rhätischen Bahn mit ABB-Logo ist bereits mit dem hoch entwickelten Antriebssystem und den Nutzbremsen von ABB ausgerüstet. Das Bild entstand in der Zentrale der Rhätischen Bahn bei der Präsentation im Januar.
Auf dem Berninapass (2.328 Meter), der höchsten Alpenüberquerung für Schienenfahrzeuge in Europa, sind die zwischen der Schweiz und Italien verkehrenden Elektrozüge der Rhätischen Bahn mit besonders rauen Witterungsbedingungen konfrontiert.

Zwischen November und März liegt die durchschnittliche Höchsttemperatur unter dem Gefrierpunkt, und die Oberleitungen können mit einem dicken Eismantel überzogen sein.

Da die 15 Allegra-Triebzüge der Rhätischen Bahn, die Stadler Rail in den Jahren 2010 und 2011 geliefert hat, mit einem speziellen Traktionssystem von ABB ausgestattet sind, werden die Züge zu wahren „Eisbrechern."

Der Allegra-Zug im ABB-Design, hier mit einer Elektrolok, die 1929 vom Schweizer ABB-Vorgängerunternehmen Brown Boveri hergestellt wurde. Im Hintergrund die Schweizer Alpen bei Landquart.
Die zugehörigen Stromrichter und Transformatoren nutzen eine ausgeklügelte Software, die erkennt, wenn sich eine Eisschicht aufbaut. Die Geräte reagieren dann automatisch und erzeugen einen künstlichen Lichtbogen, der das Eis auf den Drähten verdampfen lässt und so die Stromversorgung aufrechterhält.

Laut Martin Deiss, ABB-Vertriebsleiter für Traktionsumrichter, stellt Know-how von ABB auf diese Weise sicher, dass die Fahrgäste zwischen der Olympiastadt St. Moritz und dem sonnenverwöhnten Italien nicht unter witterungsbedingten Verspätungen zu leiden haben. Die Schweizer Alpen dienen aus gutem Grund als Erprobungsgelände für Züge mit ABB-Ausrüstung, die in der ganzen Welt eingesetzt werden.

„Zugverkehr bei schönem Wetter ist das Eine“, so Deiss. „Etwas ganz Anderes ist es, die gleiche Leistung bei starkem Schneefall und extrem winterlichen Wetterverhältnissen zu erreichen.“

Langjährige Partnerschaft

ABB und die Rhätische Bahn überwinden derartige Hindernisse schon seit vielen Jahren gemeinsam. Bereits 1913 wurde der erste mit ABB-Technologie ausgestattete Elektrozug der Bahn geliefert. Um diese Zusammenarbeit zu feiern, trägt einer der Allegra-Triebzüge nun die Firmenfarben und das Logo von ABB.

Hans Amacker, Direktor der Rhätischen Bahn, stellt im Januar in der Zentrale des Unternehmens in Landquart den Triebzug im ABB-Design vor. Schon seit 100 Jahren arbeiten ABB und Rhätische Bahn im Bereich des elektrischen Schienenverkehrs zusammen.
„Die Allegra-Triebzüge mit ABB-Logo stehen für eine moderne, zukunftsorientierte Rhätische Bahn und ihre nächste Generation von Schienenfahrzeugen“, erklärt Bahnchef Hans Amacker. „Und sie symbolisieren die langjährige Kooperation beider Unternehmen.“

Der Zug im ABB-Kleid verkehrte während des Weltwirtschaftsforums in Januar 2015 ausschliesslich zwischen Landquart und dem Schweizer Skiort Davos, um internationale Führungspersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zu befördern.

Jetzt wird der Zug auf dem gesamten Streckennetz der Rhätischen Bahn im Kanton Graubünden fahren. Die Region beheimatet Bären und Wölfe und beeindruckt mit majestätischen Bergen und Sehenswürdigkeiten wie dem Landwasserviadukt mit seinen sechs Bögen, seit 2008 UNESCO-Welterbe.

„So wird die Philosophie von ABB – ‚Power and productivity for a better world‘ – durch die prachtvolle Landschaft des UNESCO-Welterbes getragen“, sagt Remo Lütolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von ABB Schweiz.

Remo Lütolf, Vorsitzender der Geschäftsleitung von ABB Schweiz: Die Bahntechnologie von ABB „trägt zu einer nachhaltigen Energiezukunft bei – nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit."
ABB und Stadler: Eine weitere langjährige Partnerschaft

Die Allegra-Triebzüge der Rhätischen Bahn stehen für eine weitere langjährige Partnerschaft – die Kooperation zwischen ABB und dem Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail.

Die ABB-Antriebspakete für die Züge von Stadler wurden speziell für die hohen Anforderungen des Streckennetzes der Rhätischen Bahn im Osten der Schweiz entwickelt. Hier sind Steigungen von 7 Prozent zu bewältigen, und die Antriebe müssen auf zwei verschiedenen Systemen – Gleichstrom und Wechselstrom – reibungslos funktionieren.

Seit 2002 hat Stadler bei ABB Traktionsausrüstung für mehr als 1.500 Regionalzüge und über 300 Stadtbahnen für internationale Kunden bestellt.

Hierzu zählt ein neuer Auftrag im Wert von 40 Millionen US-Dollar für Bahnprojekte von Stadler in Europa und den USA, der im Januar 2015 bekannt gegeben wurde. Kunden von Stadler sind die Schnellbahn Bay Area Rapid Transit in Kalifornien und die Schweizer Jungfraubahn, die vor der beeindruckenden Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau den höchstgelegenen Bahnhof Europas auf 3.454 Metern über dem Meeresspiegel anfährt.

Diese Kooperation hat massgeblich dazu beigetragen, dass ABB ihre Stellung als einer der weltweit grössten unabhängigen Lieferanten für Rollmaterialhersteller ausbauen konnte. Das Unternehmen erwirtschaftet im Bahngeschäft einen Umsatz von über 1,5 Milliarden US-Dollar jährlich.

Rückspeisung von Energie ins Stromnetz

Die von ABB und Stadler gelieferten Züge der Rhätischen Bahn, die das Rückgrat des erstklassigen nachhaltigen Verkehrsnetzes von Graubünden bilden, nutzen nicht nur die saubere Wasserkraft der Region.

Dank der Nutzbremsen von ABB speisen sie auch Energie ins Stromnetz ein.

Die Triebzüge der Rhätischen Bahn im ABB-Kleid präsentieren den Leitspruch des Unternehmens: „Power and productivity for a better world.“ Der Zug wurde während des Weltwirtschaftsforums im Januar zwischen Landquart und dem Schweizer Skiort Davos eingesetzt. Jetzt verkehrt der Zug im gesamten Streckennetz der Rhätischen Bahn.
Und so funktioniert‘s: Wenn die Allegra-Züge auf Gefällestrecken bremsen, speisen die Traktionsumrichter von ABB die freigesetzte Energie wieder ins Stromnetz zurück.

Die Elektrizität wird nicht nur zum Heizen und Klimatisieren des Zuges, sondern auch zur Unterstützung des Lastausgleichs im Netz und zur Beleuchtung von Privat- und Geschäftshäusern für Einwohner und Touristen genutzt, die damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Auf der kurvenreichen Abfahrt vom Berninapass kann das ABB-System zum Beispiel rund 70 Prozent der für den Anstieg benötigten Energie in die Oberleitung zurückspeisen.

„Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Technologien effizienter und zuverlässiger zu machen“, erklärt Lütolf. „Schliesslich sind wir fest davon überzeugt, dass sie zu einer nachhaltigen Energiezukunft beitragen – nicht nur in der Schweiz, sondern rund um den Globus.“

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