Kein Wintersport ohne ABB

2003-04-02 - ABB liefert modernste Antriebe und Motoren für viele grosse Seilbahnen in der Schweiz. Die neue Parsennbahn in Davos etwa wird mit einer Drehstrommaschine betrieben und schafft die grösste Asynchronleistung Europas. Auch bei der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz war ABB nicht nur bei den Seilbahnen im Rennen: Sie setzte neue Antriebe für Schneekanonen ein.

„Kabinenferrari“ nennen sie die Einheimischen. Treffender könnte der Name nicht sein: Die neue Parsennbahn ist feuerrot, schnittig gebaut, 2000 PS stark, fährt sportlich und vor allem schnell – sehr schnell. Was sie früher in zehn Minuten machte, schafft sie heute in knapp vier Minuten. Das Davoser Prachtstück schiesst den Berg hoch mit einer Geschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde und bis zu 200 Personen an Bord. Seit vergangenem Dezember in Betrieb transportiert die neue Standseilbahn heute 2200 Gäste pro Stunde, vorher waren es 780.

Weniger Wartung und energiesparend
Das Herzstück der neuen Standseilbahn steht gut geschützt im Maschinenraum der Mittelstation. Der „Ferrari-Motor“ entpuppt sich als Drehstrommaschine von ABB. Sie treibt das riesige Rad an, über das die Bahnseile laufen. Über 100 Mal pro Tag ziehen sie rund 41 Tonnen Wagen- und Personenlast hoch.

Die Frey AG aus Stans, die für die Parsennbahn die gesamte Steuerungs-, Kommunikations- und Sicherheitstechnik lieferte und schon seit mehreren Jahren mit dem Bereich Normelec der ABB Schweiz eng zusammenarbeitet, entschied sich bewusst dafür, einen Asynchronantrieb anstatt einen Gleichstromantrieb einzusetzten. Denn der Vorteil dieser 1250 kW leistungsstarken Maschine liegt auf der Hand: Im Vergleich zu den bei Bahnen früher eingesetzten Gleichstrommaschinen sind Drehstrommaschinen, die mit einem ISU-Vierquadrant-Frequenzumrichter angesteuert werden, robuster gebaut, brauchen durch den Wegfall des Kollektors praktisch keine Wartung mehr und verfügen über einen besseren Wirkungsgrad. Zudem ist die Inbetriebnahme des Frequenzumrichters wesentlich einfacher als bisher der Gleichstromstromrichter.

Kompakt, sicher und energiesparend
Der 1250 KW-Motor und der ABB Frequenzumricher machen die Parsennbahn zur Seilbahn mit der grössten Asynchronantriebsleistung Europas. Mit dem ISU-Vierquadrant-Frequenzumrichter ACS 600 sind derzeit bereits rund 60 Schweizer Seilbahnen ausgestattet, darunter die Luftseilbahnen Stechelberg-Mürren, die Sesselbahn Carmenna in Arosa, die Standseilbahnen Lugano-San Salvatore. der Funambul in Neuchâtel sowie die Gondelbahn Le Chable - Verbier.

Gegenüber den bisherigen Thyristorantrieben benötigen die Asynchronantriebe keine Filtereinrichtungen zur Eliminierung der Netzrückwirkungen. Es treten nur geringste Stromoberwellen und keine Blindleistungen mehr auf. Komplizierte, zeitaufwändige Netzmessungen, die früher unumgänglich waren, fallen heute praktisch weg. Die Verfügbarkeit der Asynchronantriebe ist sehr gross, weil Standardkomponenten verwendet werden und die ISU-Module auf der Netz- und Motorseite identisch und dadurch austauschbar sind.

Ganz wichtig sind die reduzierten Ansprüche an das speisende Netz, denn die Antriebe sind praktisch immun gegen Netzschwankungen. Zudem sinken dank des ausgezeichneten Wirkungsgrad des Asynchronantriebes die Energiekosten,vor allem im Vergleich zu Ward Leonard Antrieben, die vor allem bei schwachen Netzversorgungen eingesetzt wurden. „Praktisch alle neuen Schweizer Bahnen – ob Sessellifte, Luft- und Standseilbahnen oder Gondeln – laufen mit ABB-Asynchronantrieben“, sagt Ueli Spinner, im Bereich Normelec der ABB Schweiz zuständig für den Verkauf von elektrischen Motoren und Antriebssystemen.

Grosser Marktanteil
Die Region St. Moritz setzt ebenfalls ganz auf Asynchronantriebe der ABB Schweiz. Der langjährige Kunde SISAG AG, zuständig für die Bahnelektrik, setzte in drei Seilbahnen ABB-Antriebe ein. Seit vergangenem Dezember fahren die Luftseilbahnen Signal und Piz Nair, bei der speziell für den Start der WM-Herrenabfahrt eine separate Zwischenstation gebaut wurde, mit ABB-Asynchronantrieben. Gleichzeitig ging auch die neue Sesselbahn FIS in Betrieb, bei der zum ersten Mal in der Schweiz ein sogenannter Langsamläufer eingesetzt wurde.

Die Neuheit dieses getriebelosen Antriebs ist, dass dieser Motor keine mechanische Untersetzung mehr braucht und somit dank dem Wegfall des Getriebes einen besseren Wirkungsgrad aufweist. Dies verlangte viel Flexibilität und technisches Engagement von den ABB-Spezialisten, die innerhalb weniger Wochen ihre Software für den Frequenzumrichter an einen nicht-standardisierten Motor anpassen mussten.

Schneesichere Pisten
Ebenfalls in St. Moritz verhalf ABB diesen Winter zu hohen Geschwindigkeiten. Dass die Rennfahrer an der diesjährigen Ski-WM in vollem Schuss über die Piste donnerten, ist nicht nur dem richtigen Skiwachs zuzuschreiben. Für den ebenfalls dazu notwendigen guten und ausreichenden Schnee sorgte ABB: Der Bereich Normelec der ABB Schweiz rüstet seit neustem auch Schneekanonen aus.

Dabei helfen die ABB-Asynchronantriebssysteme, das Wasser hochzupumpen, das schliesslich als Kunstschnee auf die Pisten und Rennstrecken rieselt. Asynchronantriebe, die normalerweise bei Seilbahnen eingesetzt werden, auch für Pumpen zu verwenden, ist laut Ueli Spinner eine Neuheit. Sie funktionieren wie bei den Seilbahnen, Oberwellenfilter und Kompensationsanlage jedoch fallen weg. „Die Asynchronantriebe wurden zum ersten Mal im Rahmen der Ski-WM in St. Moritz ausgetestet. Ohne sie hätten im vergangenen, extrem schneearmen Winter die WM-Hauptproben gar nicht stattfinden können“, erklärt Spinner. Erste Nachahmer sind bereits in den Flumserbergen zu finden, wo durch den Umbau auf Asynchronantriebe die bisherigen Kollektorprobleme bei den Gleichstrommotoren behoben werden konnten.

An der WM in St. Moritz jedenfalls hat alles reibungslos geklappt - trotz technischer Neuerung. Das wäre vielleicht auch eine Medaille wert...

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